Warum 20 x Urlaub in Großpold machen ?
26. August 2010 um 23:12 Uhr sitze ich am Schreibtisch, draußen zieht gerade ein heftiges Gewitter vorbei und ich bin in Gedanken weit zurück, einige Wochen zurück wo wir unseren diesjährigen Urlaub in Großpold und Umgebung verbrachten…
Dabei sehe ich mir die Urlaubsfotos an und mein Blick fällt auf ein Foto wo mein Sohn darauf zu sehen ist mit einem Fernglas.
Er blickt von den Bergen am Crint auf Großpold herab, ich sehe sein Gesicht, sein unbeschwertes glückliches Kinderlachen. Ob er mit seinen 5.Jahren schon begreift das dass hier die alte Heimat von seinem Papa und Mama ist, ob er das wohl spürt und fühlen kann?!
Kann ein Kind in dem Alter begreifen warum die Urlaubs-Tage in Großpold so anders sind als in Deutschland oder sonst irgendwo auf der Welt? Warum so manche Mamas & Papas mit den Kindern seit vielen Jahren jeden Sommer wieder in Großpold ihren Urlaub verbringen…seit 20. Jahren jeden Sommer?!
Ob mein Sohn wohl in 20. Jahren jemals wieder auf den Spuren seiner Vorfahren sich hierher begeben wird und seine Urlaubs-Zeit in dieser Umgebung verbringen wird?
Ich weiß es nicht. Er ist ja erst 5. Jahre alt und hat trotzdem schon seinen sechsten Urlaub in Großpold verbracht.
Es ist der 4.August 2010 also vor genau 3 Wochen als wir eine Tour mit dem Geländewagen zum Crint machten. Dabei fährt man auf einer Schotterstraße/Feldweg von Säliste vorbei an hoch gewachsene Tannen und anderen Laubbäumen in die Berge hinauf.
Oben auf der Bergspitze, der Guga Mare auf 1.390 m angekommen sitze ich irgendwann auf einem Klappstuhl mit einem Bier in der Hand und zu meinen Füßen erstreckt sich ein Panorama das ich mit Worten fast nicht beschreiben kann.
In den letzten 20. Urlaubsjahren die ich in und rund um Großpold verbracht habe konnte ich diese Stille und Ruhe die hier oben herrschte noch nie wirklich so intensiv erleben wie an diesem Platz.
Meine Schwester ist seit 19. Jahren nicht mehr in Großpold gewesen und deren Kinder kennen Großpold nur von Fotos her und sprechen die Sprache der Landler und Sachsen, also unseren Dialekt nicht mehr. Verstehen ja, da die Großeltern untereinander noch „landlerisch“ reden.
Zurzeit sind sie gemeinsam mit meinen Eltern in Großpold. Ich bin sehr gespannt wie Sie die alte Heimat Großpold erleben und wie die Veränderungen auf sie wirken werden, auf jemanden der 19. Jahre der alten Heimat fern geblieben ist.
Ich denke dass es bei manch anderen Großpoldern auch so ähnlich abläuft?!
Warum nach Großpold fahren da wir ja die ganze Welt uns ansehen können was unsere Eltern früher nicht machen konnten. Ist ja nichts Besonderes was da in Großpold abgeht, immer das gleiche, nichts Neues… Wirklich?!
Ich lag im heißen Sand an Spaniens Sonnenstrand und ließ die kühlen Wellen über meine Füße rollen. Mit dem Wohnmobil durchquerten wir den Westen Kanadas, dem Yukon und Alaska. Im tiefsten Winter bei Temperaturen von bis zu -50°C war ich mit Skidoos und Schlittenhunde im Yukon Territory unterwegs.
Und doch zieht es mich immer wieder nach Großpold zurück…
Doch was erlebt man denn im Jahre 2010 in Großpold?!
Nun ja, erst einmal ist da die lange Autofahrt die zwischen 13 - 16 Stunden dauern kann auf der Autobahn durch Deutschland-Österreich-Ungarn immer am Limit. Soll heißen: hoffentlich erwischt mich keine Polizei oder Radar da ich etwas zu schnell fahre, konstant zu schnell. Aber was soll’s. Wir möchten ja schließlich auch irgendwann ankommen. Ankommen in Großpold und unseren Urlaub dort verbringen.
Abends um 23:00 Uhr ging die Fahrt los. Ich habe kaum geschlafen, zu groß ist die Aufregung die Vorfreude auf Großpold. Es dauert einige Kilometer bis ich den Schlaf überwunden habe und mein Körper fit ist. Leider sind erstaunlich viele Autos unterwegs trotz der späten Stunde.
Als wir jedoch schon weit hinter Linz sind und Wien nicht mehr weit weg ist da fühle ich mich schon fast wie im Urlaub. Bei der Raststätte Steinhäusl tanken wir und machen eine erste kurze Kaffeepause.
Durch Wien geht es zügig vorbei es gibt kaum Verkehr um diese Uhrzeit, und so sind wir auch in Kürze an der ungarischen Grenze.
Kurze Rast, Vignette kaufen und schon wieder lausche ich dem ruhigen Klang des Motors während der Rest der Bande gemütlich schläft…
Als ich in Szeged an einer Tankstelle nochmals anhalte und Benzin „nachfülle“ versucht mir die depperte Verkäuferin umgerechnet 80 Euro für ca. 40 Liter Benzin zu verlangen. Nachdem ich ihr klar mache dass ich sie für verrückt halte und das auch lautstark mitteile akzeptiert sie einen normalen Preis. Also diese Idioten versuchen auch in der heutigen Zeit noch ahnungslose Touristen abzuzocken. Wird höchste Zeit das die Ungarn auch den Euro einführen.
Die Sonne brennt mittlerweile erbarmungslos vom Himmel und die Klimaanlage im Auto schafft es kaum noch zu kühlen
Und dann endlich stehen wir an der Grenze zu Rumänien. Stehen? Kann man das denn fassen….wir verlassen Ungarn ohne Kontrollposten und der rumänische Grenzbeamte winkt uns durch….:-) das man so etwas noch erleben darf. Glücklicherweise ist dieses nun schon seit einigen Jahren so einfach an der Grenze.
Obwohl ich am liebsten gleich weiter fahren würden, entschließe ich mich doch schweren Herzens eine rumänische Vignette an einem heruntergekommen Kiosk zu kaufen. Ansonsten kann bei einer Verkehrskontrolle die fehlende Vignette zu einem hohen Bußgeld führen.
In Arad verpasse ich die mir bestens bekannte Umgehungs- Straße und muss nun mitten durch die Stadt fahren. Dabei fällt mir auf das auch hier der Aufschwung zu sehen ist der in Rumänien allgegenwärtig ist. Natürlich sehen viele Häuser und Wohnblocks so aus als würde der nächste Sturm hier alles wegpusten aber im Vergleich zu den neunziger Jahren ist hier einiges positiv bewegt worden.
Die Strecke bis nach Großpold möchte ich nicht weiter „bewerten“, außer das wir ganze 5 Stunden von Arad bis Großpold benötigten. Grund dafür ist die total überlastete Straße, Unmengen von LKWs, Reisebusse, Pkws meist mit ausländischen Kennzeichen.
Als wir Mühlbach hinter uns lassen und dann plötzlich Großpold vor uns auftaucht ist alle Müdigkeit vergessen, der ganze Stress fällt von mir ab als ich die „Hintere Reihe“ langsam runter fahr…
Angekommen in Großpold, unsere Straße, der Hof, das Haus, der Birnbaum steht immer noch genauso da als hätte all das nur auf uns gewartet. Als wäre die Zeit stehen geblieben.
Nachdem das Gepäck aus dem Auto weggeräumt ist und ich 2 Stunden schlafen konnte starte ich den Geländewagen und fahre mit Björn in den Wald hoch. Ich möchte das noch am ersten Tag erleben, diese Stille und wohltuende Ruhe, dem Gesang der Vögel lauschen und dem rauschen der Blätter im Walde. Den würzige Duft des Waldes in mir aufnehmen und mich des Lebens freuen.
Dabei muß ich an folgendes Lied denken:
„Nach meiner Heimat, da ziehts mich wieder,
es ist die alte Heimat noch.
Die selbe Luft, die selben frohen Lieder,
und alles ist ganz anders doch."
Warum ich 20 x in Großpold Urlaub machte? Weil es meine Heimat ist und die Sehnsucht mich dorthin treibt.








